Das Geheimnis der Sprache als Ausdrucksform der
Schönheit des Denkens und der Poesie beschäftigt mich seit ich mich
erinnern kann. Neben dem nahe liegenden Weg eines Studiums der
Philosophie und der Klassischen Philologie in Würzburg, Thessaloniki,
Padova und Jena schlug ich gleichzeitig ein paar Nebenpfade ein, die in
gleicher Weise einerseits für ein schöpferisches Durcheinander sorgten,
andererseits mich – paradoxerweise – jedoch auch meinem Ziel näher
brachten. Dazu gehören Reisen aus purer Neugier, eine intensive
Beschäftigung mit den Sprachen und Kulturen rings ums Mittelmeer und
weiter ostwärts und meine Leidenschaft für traditionelle Musik und
Tänze zwischen Balkan, dem Mittelmeer, dem Kaukasus bis nach Indien,
wobei sich mir die Tänze der islamisch geprägten Kulturkreise am
leichtesten erschlossen. Einen detaillierten Werdegang finden Sie hier. Viel gelernt habe ich
auch während meiner Ausbildung in der Tanztherapie (DGT), wo wir mit
der Wechselwirkung von Bewegung, Selbsterfahrung und Bewusstsein
vertraut gemacht wurden.
Meine Arbeitsschwerpunkte liegen einerseits in
der Erkundung neuer (tänzerischer) Ausdrucksformen und im Versuch,
unterschiedliche poetische Formen wie Musik, Dichtung und Tanz
miteinander spielen zu lassen, beispielsweise durch Lesungen mit Musik
und/oder Tanzbildern. Außerdem arbeite ich mit Tanz- und
Bewegungsformen, die zur Selbstreflexion animieren und zu einem neuen
Körper- und Selbstbewusstsein führen sollen. Im geborgenen Klima der
Gruppe finden insbesondere Frauen zu ganz neuen Aspekten ihres
Selbstbildes, und können für sich neue Ausdrucksformen finden, die
ihnen in Beruf, Partnerschaft und Familie neue Wege eröffnen.
Bei alledem liegt gehört meine Liebe der
authentischen Folklore: Durch das Verstehen und Meistern von
traditionellen Tänzen, in der Erforschung von Rhythmen, Gesten und
Erzählungen machen wir uns die Symbolsprache einer anderen Kultur zu
Eigen. Was beflügelt mehr als sich für eine Zeit lang in eine andere
Person zu verwandeln, in der Darstellung unbekannte Gefühls- und
Daseinszustände zu erleben und unbekannte Facetten unserer selbst zu
entdecken? Bei dieser Art von Tanz geht es überhaupt nicht um die
stetige Verfeinerung und Verkomplizierung kunstvoller technischer
Abläufe. Bei aller Perfektion professioneller Bühnentänze; liegt nicht
in den Bewegungen einer alten Frau, die in ihrem Leben immer nur einen
Tanz getanzt hat, eine unübertroffene Grazie und Tiefe? Die echte
Herausforderung liegt im Verständnis des Geistes der Musik und der
Authentizität der Darstellung, also der perfekten Übereinstimmung von
Intention und Bewegung. Diese erreicht man allein durch Hingabe, durch
das Verschmelzen der Tänzerin mit der Poesie von Musik und Text – auch
ein scheinbar noch so limitiertes Bewegungsvokabular lässt hier einen
großen Raum für Varianten und Interpretationen zu.
Unendlich dankbar bin ich den hervorragenden
Künstlerinnen und Künstlern, mit denen ich arbeiten durfte und die mir
immer eine Inspirationsquelle sind. Diejenigen, von denen
ich besonders viel gelernt habe, sind:
Helene Eriksen
(Seattle/Göttingen), Claudina
(Weimar), Molly Roy Chaudhury (Kalkutta), Soraya Hilal und
Alessandro El Bascioni (London/Kairo), Johanna Dierolf, Anna Armenini
(Halle/Thessaloniki), Jannis Korosidis (Thessaloniki), Laura Kupradze
(Tbilisi/Jena), Ekaterini Thönes-Tassiopoulou (Athen/Weimar), Anastasios Strikos
(Wien/Athen), und viele andere.